Compliance | 22. Oktober 2026

Mehrwertsteuer auf Gartenartikel in der EU, Teil 1: Dünger im Online-Shop richtig besteuern

Die Mehrwertsteuer auf Dünger variiert in der EU zwischen 0 % und 27 %. Erfahren Sie, welche Steuersätze für organische und mineralische Dünger gelten, worauf Online-Händler achten müssen und was sich ab 2032 ändert. von

Mehrwertsteuer auf Gartenartikel in der EU Teil Dünger im Online Shop richtig besteuern

Ein Online-Händler, der Dünger bisher nur in seinem Heimatland verkauft und nun in andere EU-Märkte expandieren will, wird schnell feststellen: Derselbe Sack Dünger kann mit 0 Prozent oder mit 27 Prozent Mehrwertsteuer belastet sein. Es kommt darauf an, wohin er geliefert wird, woraus er besteht und manchmal sogar, wie groß der Sack ist.

Sobald die Verkäufe an Privatkunden im EU-Ausland 10.000 Euro im Jahr übersteigen, gilt der Steuersatz des Ziellandes, gemeldet über das OSS-Verfahren. Diese Erfahrung machen vor allem spezialisierte Online-Händler, etwa für Bio-Dünger, Rasenpflege, Orchideen oder Hydroponik, Düngerhersteller mit eigenem Webshop und Händler auf Marktplätzen wie Amazon oder eBay.

Dazu kommt ein Stichtag: Ab 2032 dürfen EU-Staaten chemische Dünger nicht mehr ermäßigt besteuern. In Teil 1 unserer Reihe zur Mehrwertsteuer auf Gartenartikel geht es um Dünger. Teil 2 behandelt Blumenerde, Saatgut und Pflanzen.

Warum ist Dünger bei der Mehrwertsteuer so kompliziert?

Im Alltag ist Dünger alles, was Pflanzen ernährt oder den Boden verbessert: Mineraldünger wie Harnstoff, Blaukorn oder NPK-Volldünger, organische Dünger wie Stallmist, Kompost oder Hornspäne, organisch-mineralische Mischungen, Kalkdünger, Substrate und Blumenerde. Blumenerde, Torf und Substrate gehören im Zolltarif aber nicht zu den Düngern und werden steuerlich eigenständig behandelt. Sie sind Thema von Teil 2.

Für die Umsatzsteuer zählt aber nicht der Alltagsbegriff. Viele EU-Staaten orientieren sich am Zolltarif. Dort steht Dünger in Kapitel 31 und wird nach seiner Herkunft getrennt: tierische und pflanzliche Dünger wie Hornspäne oder Kompost in Position 3101, mineralische und chemische Dünger in den Positionen 3102 bis 3105. Andere Staaten ignorieren den Zolltarif bewusst und arbeiten mit eigenen Kriterien. Frankreich fragt zum Beispiel, ob ein Produkt im Ökolandbau eingesetzt werden darf, Irland schaut auf die Packungsgröße.

Das Ergebnis: Derselbe Artikel kann in einem Land ermäßigt sein und im Nachbarland nicht, obwohl er an der Grenze dieselbe Zolltarifnummer trägt.

Mehrwertsteuer auf Dünger in der EU: fünf Logiken

Die EU-Staaten lassen sich fünf Grundmustern zuordnen. Wer Dünger EU-weit verkauft, muss für jedes Zielland zuerst wissen, welchem Muster es folgt, und erst dann den Satz.

Logik Was entscheidet über den Satz Länder
1. Enge Zolltarif-Orientierung Nur tierische oder pflanzliche Dünger (Position 3101) sind ermäßigt, Mineraldünger nicht Deutschland, Österreich
2. Breite Ermäßigung Dünger insgesamt, mineralisch wie organisch, teils nach Zolltarif, teils nach eigenem Düngemittelrecht Belgien, Griechenland, Italien, Kroatien, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Zypern
3. Öko-Kriterium Ob das Produkt im ökologischen Landbau eingesetzt werden darf Frankreich
4. Keine Ermäßigung Dünger wird wie jede andere Ware voll besteuert Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Malta, Niederlande, Schweden, Slowakei, Tschechien, Ungarn sowie das Vereinigte Königreich
5. Sonderfall Die Packungsgröße Irland

Mehrwertsteuersätze für Dünger in allen EU-Ländern

Stand September 2026:

Land Ermäßigter Satz für Dünger Satz für nicht begünstigte Dünger Logik
Belgien 6 % 21 % 2. Breite Ermäßigung
Bulgarien – 20 % 4. Keine Ermäßigung
Dänemark – 25 % 4. Keine Ermäßigung
Deutschland 7 % 19 % 1. Zolltarif
Estland – 24 % 4. Keine Ermäßigung
Finnland – 25,5 % 4. Keine Ermäßigung
Frankreich 10 % 20 % 3. Öko-Kriterium
Griechenland 6 % – 2. Breite Ermäßigung
Irland 0 % 23 % 5. Sonderfall
Italien 4 % 22 % 2. Breite Ermäßigung
Kroatien 5 % – 2. Breite Ermäßigung
Lettland – 21 % 4. Keine Ermäßigung
Litauen – 21 % 4. Keine Ermäßigung
Luxemburg 3 % 17 % 2. Breite Ermäßigung
Malta – 18 % 4. Keine Ermäßigung
Niederlande – 21 % 4. Keine Ermäßigung
Österreich 13 % 20 % 1. Zolltarif
Polen 8 % 23 % 2. Breite Ermäßigung
Portugal 6 % 23 % 2. Breite Ermäßigung
Rumänien 11 % 21 % 2. Breite Ermäßigung
Schweden – 25 % 4. Keine Ermäßigung
Slowakei – 23 % 4. Keine Ermäßigung
Slowenien 9,5 % 22 % 2. Breite Ermäßigung
Spanien 10 % 21 % 2. Breite Ermäßigung
Tschechien – 21 % 4. Keine Ermäßigung
Ungarn – 27 % 4. Keine Ermäßigung
Zypern 5 % – 2. Breite Ermäßigung
Vereinigtes Königreich (Nicht-EU) – 20 % 4. Keine Ermäßigung

Die erste Spalte zeigt den ermäßigten Satz, den ein Land für Dünger vorsieht. Die zweite zeigt, welcher Satz für Dünger gilt, die nicht unter die Ermäßigung fallen. Ein Strich in der zweiten Spalte bedeutet, dass das Land Dünger durchgehend ermäßigt. Ob ein einzelnes Produkt ermäßigt ist, hängt von seiner Zusammensetzung und von der Logik des Ziellandes ab. Die Einstufung auf Artikelebene für alle EU-Staaten übernimmt die eClear USt-Klassifizierung.

Was die Logiken in der Praxis bedeuten

Frankreich: Entscheidend ist die Öko-Zulassung

Frankreich besteuert Dünger mit 10 statt 20 Prozent, wenn das Produkt im ökologischen Landbau verwendet werden darf. Bei organischen Düngern wie Hornspänen, Kompost oder Stallmist liegt das nahe, ist aber nicht automatisch der Fall. Ob Hornspäne in Frankreich mit 10 oder 20 Prozent besteuert werden, hängt also davon ab, ob das konkrete Produkt für den Ökolandbau zugelassen ist. Umgekehrt kann auch ein mineralischer Dünger ermäßigt sein, wenn er diese Zulassung hat.

Italien, Spanien und Polen: fast alle Dünger ermäßigt

Italien (4 Prozent), Spanien (10 Prozent) und Polen (8 Prozent) ermäßigen Dünger weitgehend, mineralisch wie organisch. Blaukorn, das in Deutschland mit 19 Prozent besteuert wird, ist dort ermäßigt. Italien und Polen orientieren sich dabei nicht am Zolltarif, sondern an ihrem eigenen Düngemittelrecht. Was dort als Dünger gilt, ist deshalb immer wieder umstritten, in Polen auch vor Gericht.

Belgien: Auf die Mischung kommt es an

Belgien besteuert Dünger mit 6 Prozent, aber nur, wenn er nicht mit Pflanzenschutzmitteln gemischt ist. Für solche Mischungen galt bis Ende Februar 2026 ein Satz von 12 Prozent, seit dem 1. März 2026 sind es 21 Prozent. Ein Rasendünger mit Unkrautvernichter kann in Belgien also ganz anders besteuert werden als reiner Rasendünger.

Irland: Auf die Packungsgröße kommt es an

Irland gewährt einen Nullsatz nur für bestimmte Dünger in Gebinden ab 10 Kilogramm. Der 5-Kilo-Sack aus dem Gartencenter wird mit 23 Prozent besteuert, derselbe Dünger im 25-Kilo-Sack mit 0 Prozent. Hier entscheidet nicht der Inhalt, sondern die Verpackung.

Rumänien: auf 2032 schon vorbereitet

Rumänien führt chemische und übrige Dünger im Gesetz bereits getrennt. Beide werden derzeit mit 11 Prozent besteuert. Das Land kann die chemischen Dünger 2032 also ohne großen Umbau auf den vollen Satz setzen.

Mehrwertsteuer auf Dünger in Deutschland und Österreich

Deutschland und Österreich folgen derselben engen Logik, ihre Gesetze sind fast wortgleich. Ermäßigt sind nur tierische und pflanzliche Dünger, die nicht chemisch behandelt sind: in Deutschland mit 7 Prozent, in Österreich mit 13 Prozent. Guano ist in beiden Ländern ausgenommen, obwohl er im Zolltarif neben Hornspänen und Kompost steht.

ProduktDeutschlandÖsterreich
Hornspäne, Kompost, Stallmist (unbehandelt)7 %13 %
Guano19 %20 %
Organischer Dünger mit Zusätzen oder chemisch behandelt19 %20 %
Mineral- und Mehrnährstoffdünger, z. B. Blaukorn19 %20 %
Kalkdünger19 %20 %

Wie schnell die Ermäßigung verloren geht, zeigt die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs: Schon geringe Beimischungen wie Gips können einen organischen Dünger aus dem ermäßigten Satz herausfallen lassen. Wer die Rezeptur eines Produkts nicht kennt, kann den Satz also nicht sicher bestimmen.

Ein Sack Hornspäne wird in Deutschland mit 7 Prozent und in Österreich mit 13 Prozent abgerechnet. Ein Sack Blaukorn liegt in beiden Ländern beim vollen Satz, wäre aber in Italien, Polen, Portugal oder Spanien ermäßigt. Für Händler aus dem DACH-Raum ist das eine typische Fehlerquelle: Sie übertragen die heimische Logik auf andere Zielmärkte.

Stichtag 2032: Was sich für Dünger ändert

Die EU hat 2022 beschlossen, dass ermäßigte Sätze für chemische Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel nur noch bis zum 1. Januar 2032 erlaubt sind. Organische Dünger dürfen weiter ermäßigt werden.
Für Deutschland und Österreich ändert sich damit voraussichtlich nichts, weil sie ohnehin nur organische Dünger ermäßigen. Alle Länder, die heute Dünger insgesamt ermäßigen, müssen ihr Sortiment dagegen bis 2032 aufteilen oder die Ermäßigung aufgeben. Besonders betroffen sind Länder mit sehr niedrigen Sätzen: Italien mit 4 Prozent, Luxemburg mit 3 Prozent und Irland mit seinem Nullsatz. Die italienische Finanzverwaltung hat bereits bestätigt, dass der 4-Prozent-Satz für Dünger zu diesem Datum endet. Wann und wie die übrigen Staaten umstellen, ist vielfach noch offen. Für Online-Händler heißt jede Änderung: Das Sortiment muss im betroffenen Land neu eingestuft werden.

Ein falscher Steuersatz kann teuer sein

Ein zu niedrig angesetzter Satz fällt meist erst bei einer Prüfung auf und wird dann rückwirkend nachgefordert. Die Differenz lässt sich bei Privatkunden nicht mehr nachberechnen und geht direkt von der Marge ab. Im OSS-Verfahren kommt hinzu, dass die Steuer im Zielland geschuldet ist und die dortigen Behörden prüfen können.
Bei Dünger ist das Risiko doppelt: Für jedes Produkt und jedes Zielland muss die richtige Logik gefunden werden. Und diese Logiken ändern sich, wie Belgien 2026 gezeigt hat und wie es bis 2032 in weiteren Ländern geschehen wird.
Wer zur Sicherheit immer den höchsten Steuersatz ansetzt, verschenkt dagegen Marge.

Dünger automatisch richtig klassifizieren

Bei 27 Mitgliedstaaten, fünf Logiken und einem gesetzlichen Stichtag lässt sich ein Düngersortiment kaum noch manuell pflegen. Die eClear USt-Klassifizierung ordnet jedes Produkt anhand seiner Beschaffenheit der richtigen Zollposition zu und gleicht sie mit der aktuell gültigen Regel im jeweiligen Zielland ab. Änderungen wie in Belgien oder ab 2032 werden zentral eingepflegt, sodass Ihr Shop automatisch den richtigen Satz ausweist.

Häufige Fragen zur Mehrwertsteuer auf Dünger

Wie hoch ist die MwSt auf Dünger in Deutschland?Unbehandelte tierische oder pflanzliche Dünger wie Hornspäne oder Kompost werden mit 7 Prozent besteuert. Mineraldünger, Guano und chemisch behandelte Dünger unterliegen 19 Prozent.
Welcher Mehrwertsteuersatz gilt für Dünger in Österreich?Organische Dünger wie Hornspäne, Kompost oder Stallmist werden mit 13 Prozent besteuert, alle anderen Dünger mit 20 Prozent.
Welcher Mehrwertsteuersatz gilt für Hornspäne in Frankreich?10 Prozent, wenn das Produkt für den ökologischen Landbau zugelassen ist, sonst 20 Prozent.
Wird Blaukorn in Italien und Spanien ermäßigt besteuert?Ja. Beide Länder ermäßigen auch mineralische Dünger, Italien mit 4 Prozent, Spanien mit 10 Prozent. Für chemische Dünger endet diese Möglichkeit spätestens 2032.
Muss ich beim Online-Verkauf ins EU-Ausland die USt des Ziellandes berechnen?Ja, sobald Ihre Fernverkäufe an Privatkunden in andere EU-Staaten insgesamt 10.000 Euro im Jahr überschreiten. Die Steuer wird dann über das OSS-Verfahren gemeldet.
Was ändert sich 2032 bei der Mehrwertsteuer auf Dünger?Ermäßigte Sätze für chemische Dünger müssen bis zum 1. Januar 2032 auslaufen. Länder, die heute alle Dünger ermäßigen, müssen ihre Regeln bis dahin anpassen.
Wo ist Dünger in der EU am niedrigsten besteuert?In Irland gilt für bestimmte Dünger in Gebinden ab 10 Kilogramm ein Nullsatz. Kleinere Packungen werden dort jedoch mit 23 Prozent besteuert. Am höchsten ist der Satz in Ungarn mit 27 Prozent.

Ausblick: Teil 2

Im zweiten Teil unserer Reihe geht es um Blumenerde, Saatgut und Pflanzen. Auch hier gelten in der EU sehr unterschiedliche Regeln, und auch hier hängt der Satz oft nicht nur vom Produkt ab, sondern davon, wie das Zielland es einordnet.
Sie verkaufen andere Produkte und möchten wissen, wie diese in der EU besteuert werden? Oder haben Sie Fragen dazu, wie die USt-Klassifizierung Ihr Sortiment einordnet? Schreiben Sie uns. Häufig angefragte Sortimente greifen wir in dieser Reihe auf.

Rechtsgrundlagen

– EU: Anhang III Nr. 11 der Mehrwertsteuersystemrichtlinie in der Fassung der Richtlinie (EU) 2022/542 (Stichtag 1. Januar 2032)

– EU-Produktrecht: Verordnung (EU) 2019/1009 über EU-Düngeprodukte

– Zolltarif: Kapitel 31 der Kombinierten Nomenklatur, Positionen 3101 bis 3105

– Deutschland: Nr. 45 der Anlage 2 zum UStG

– Österreich: Z 8 der Anlage 2 zum UStG 1994

– Italien: consulenza giuridica Nr. 4 vom 30. August 2024

Stand: September 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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